Montag, 1. März 2010

Illusionen

Früher dachte ich, die Welt sei groß. Heute weiss ich: Sie ist es nicht. Man steigt in ein Flugzeug - ist nach 9h in New York, nach 4h in Nordafrika und nach 20h am anderen Ende der Welt. Man stellt den Fernseher an - sieht Nachrichten aus aller Welt, Umweltzerstörung in China, neue Technologien aus Nordamerika und Armut aus Afrika. Das Internet schafft heute in Sekunden das, was vor 50-100 Jahren nur wenigen Leuten in langer Zeit möglich war. Reisen. Mit einem Klick Informationen und Bilder von jedem Ort der Welt finden. Mit einem Klick Illusionen vernichten. Auch wenn es vielleicht unreale, idealistische Vorstellungen sind, regen sie trotzdem die eigene Fantasie an. Sie veranlassen Menschen lange Strapazen auf sich nehmen, um ferne, verlassene und manchmal sogar gefährliche Orte zu besuchen, nur um den einen Moment zu erleben. Den Moment, den man nie wieder vergisst. Den Moment, von dem man noch seinen Kindern und seinen Enkeln berichtet. Das erste Mal eine winzige, tropische Südsee-Insel betreten oder das erste Mal beim Bergsteigen ein Meer von Wolken zu erblicken.
Mir wurden nie solche Geschichten erzählt. Doch hab ich die Bilder vor meinem Auge als hätte ich es selbst erlebt. Kinder, die voller Neugierde strampelnd auf dem Boden liegen und ihren Großvater gespannt zu sehen wie er im Sessel sitzt und Geschichten von damals erzählt, als er auf einem riesigen Dampfschiff von Europa in die Neue Welt reiste. Schade, zur falschen Zeit geboren... Heute erzählen Kindern ihren Eltern alles über die Reise mit einem Flugzeug und darüber wie es auf so einem Flughafen zugeht oder sie legen "Terminal" mit Tom Hanks in den DVD-Player...
Was würde ich für die Illusionen meiner Kindheit geben? Als die Welt noch riesig erschien und jede Reise ein echtes Abenteuer war.
Früher dachte ich, ich werde Profi-Fußballer. Heute weiss ich: Meine Zeit ist vorbei... ich bin zu alt. Etwas Talent habe ich wohl noch, aber es gibt immer Leute, die besser sind oder einfach nur mehr Glück haben. Von der Illusion, dass es irgendwie immer weiter geht, lebte wohl mein Sportlerherz. Und Wahrscheinlich nicht nur meins! Profi im nächsten Leben... das ist mein Ziel!

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